pdp8/e


Die pdp8/e bekam ich, wie so vieles, von Gerold Pauler, welcher sie von Herrn Pohl vom Wühlenweber Gymnasium in Bergneustadt erhielt. Da war die pdp8/e wohl seit den frühen 70ern im Bestand. Die letzte Nutzung ist mittlerweile etliche Jahre her und so habe ich die Maschine Anfang 2020 in mein Zimmer geholt und langsam angefangen sie zu überholen. Die CPU mit EAE war schon vorher repariert (siehe HIER) und so musste ich auf passende Anschlußstecker aus den USA warten. NEMA 6-15R heissen die Stecker und sind 240V Stromstecker. 

06.03.2020 Beim langsamen Starten mit dem Trenntrafo kamen alle Spannungen wie erwartet hoch. Nach dem Einbau der CPU stellten sich einige Probleme am Frontpanel heraus, einige Lampen waren defekt und ein DEC380 (IC 24).

Die Reparatur ging schnell von der Hand. Zuerst einmal nutze ich modernes RAM für die weiteren Tests, um das Netzteil nicht so zu belasten. Wie auf den Fotos zu sehen ist, ist die hintere Backplane voll mit CORE Memory bestückt, 3 mal 8K und 2 mal 4K. Das ist eine recht hohe Strombelastung für das Netzteil. Diese Backplane habe ich vorläufig nicht angeschlossen und die Platinenverbinder und Stromkabel abgezogen.  Auch an dieser Maschine sind die 5V Pins der Stromanschlüsse deutlich dunkler und haben im Laufe der Jahre gelitten. Eine Kontaktpflege war notwendig, eventuell bedarf es neuer Stecker und Buchsen, zumindest der Kontakte. Das werde ich mit jeder neuen Last im Auge behalten.

Auch muß der Deckel noch in die Werkstatt. Die Haube hat einen Blechsteg, der ist leider abgebrochen und muß angeschweißt werden. Vermutlich wurde der Deckel in der Schule häufig geöffnet und geschlossen. 

Das Gerät sieht insgesamt sehr schön aus und wartet darauf, wieder in den kompletten Zustand mit RK05 Festplatte, und TC08 Tapecontroller mit TU56 Bandlaufwerk gebracht zu werden. 


29.03.2020 Ein weiterer Schritt, Einbau eines TD8E Controllers und Anschluß eines TU-56 Laufwerk. Nachdem ich die Bestückung der Backplane am TU-56 angepasst habe, spricht es auch mit dem Controller. Die Geräte für den TC08 sind etwas anders bestückt als die für den TD8E Controller. Sie haben eine M351 im Slot 5. Die Variante für TD8E hat eine G742 in Slot 5, zwei G888 in Slot 13, zwei G888 in Slot 14, sowie eine G888 in Slot 15 unten. Sonst habe ich keine Unterschiede bei meinen Geräten in der Bestückung gefunden. 


Daraufhin habe ich mal von einem Band aus dem Fundus OS/8 gebootet, was problemlos geklappt hat!


26.04.2020 Jetzt geht es an Eingemachte, der Controller TC08 ist an der Reihe. Dieses Gerät ist von erheblich größerem Umfang und Aufwand als der oben eingesetzte TD8E. ZUm Umfang des TC08 gehören:


- Ein Rack mit eingebauten Netzteilen für die Versorgung mit 110V für die Bandlaufgeräte, sowie den Niedrigvoltspannungen (-15V, 10V) für die Reglung im TC08. Diese Geräte sind an der Rückwand eines Racks  montiert und deren Verkabelung. Der Controller selbst besteht aus einer Backplane mit Steckplätzen für die kleinen Flip-Chips in vier Reihen (A-D). Es sind insgesamt etwa 65 Karten, die hier zusammen arbeiten. Beim Zerlegen und Reinigen habe ich darauf acht gegeben die richtige Reihenfolge der Karten und ihrer Steckplätze beizubehalten. Zum Einen weil jede Karte in der Backplane ihre feste Position hat. Zum Anderen, weil baugleiche Karten eine unterschiedliche Justage aufweisen können. Da wollte ich nicht eingreifen. Als Schwierigkeit erwies sich der Anschluss des Controllers an die pdp8/e. Der Controller stammt aus der Zeit vor der 8/e, daher ist im Handbuch nicht beschrieben wie die Verkabelung stattzufinden hat. Auf den vorhandenen Kabeln waren etliche Markierungen vorhanden, die allerdings teilweise widersprüchlich aussahen. Es sind 5 Verbindungen zwischen dem TC08 und der PDP8/e zu stecken. Dazu werden die Optionen KA8-E POSITIVE I/O BUS INTERFACE (Karte M8350) und KD8-E DATA BREAK INTERFACE (Karte M8360) benötigt.

Der Anschluß ist wie folgt (auf die Beschriftung der Karten achten, die Reihenfolge der Connectoren!):

M8350:

Connector 1 (BAB)        —> A03 

Connector 2 (BAC)        —> A02

Connector 3 (ACI)         —> A04


M8360:

Connector 1                   —> A05

Connector 2                   —> A06


Bis zum Anschluss wurden die Spannungen geprüft, Kontakte und Backplane gereinigt. Nachdem nun der TC08 wieder zusammenbaut und angeschlossen ist, geht es ans Eingemachte! Das erste Einschalten verging ohne Rauch und Gestank. Allerdings klappt das Booten nicht, und innerhalb von OS/8 klappt auch nicht der Zugriff. Einzige Reaktion, das Band spult zurück und wickelt sich ab. Also langsam und systematisch die Fehler herausfinden. Dazu wurde das Maindec „TC-01 BASIC EXERCISER“ herangezogen. Das Papier dazu habe ich in den Unterlagen aus dem Fundus gefunden und das Binary im Web. 

Leider klappt der Start vom Maindec gar nicht. Im weiteren Verlauf der Untersuchungen lese ich viel in den DEC Unterlagen:

‍    - pdp8/e pdp8/m pdp8/f small computer handbook (Kapitel 7 und 10)

‍    - internal bus options maintenance manual 2 (Kapitel 9 und 10)

‍    - PDP-8 Maintenance Manual TC08 DECtape Controller

Allerdings finde ich keinen rechten Zugang zu der Fehlerbehebung und ich entschliesse mich, den zweiten TC08 Controller, oder besser dessen Karten aus dem Keller zu holen. Nach der üblichen Reinigung und Kontaktpflege, beginne ich Karten in kleinen Gruppen auszutauschen. Ab dem Tausch der Karten B2 bis B12 startet der Maindec und es sind einfache Dinge möglich. Auch das Papier des Maindec ist sorgfältig zu lesen, so ist mir erst entgangen, wie die Bandbewegungen wirklich gesteuert werden. Immerhin geht da etwas. Ich kann vor und zurück Spulen. Eine erste Kommunikation. Aber andere Tests misslingen. Es wird nicht erkannt wo die Bandenenden sind und das Band läuft immer von der Spule.

Dann viel meine Aufmerksamkeit auf ein paar Blätter, die ich hinter dem Maindec gefunden hatte. Hier sind einige Blätter vom „FIELD SERVICE TECHNICAL MANUAL“ für  „ADJUSTMENTS FOR DECTAPE SYSTEMS FAMILY OF 8“ enthalten.

Diese weisen darauf hin, dass es mehrere Quellen mit Justageanweisungen gibt, die falsch wären. Man solle die Anleitung und Werte aus diesem Dokument nehmen. In einer Tabelle waren geordnet die Pins am Controller und die Signalform mit Zeitangaben. Das war einfach zu prüfen und so habe dies mit dem Oszilloskop überprüft. Dabei sind sofort bei A14 F2 und A15 T2 statt des Sollwertes von 10µs 50µs vorhanden! Durch Tausch der Karte gegen die entsprechende vom anderen Controller, zeigt sich der Sollwert. Ebenso an D16 T2. Anstelle von 3-6µs etwa 26,4µs. Auch hier hilft der Tausch. Allerdings bleiben hier noch Fragen offen, da je nach ECP Patch entweder 3 oder 6µs eingestellt sein sollen. Das ist noch zu prüfen.


Seitdem funktioniert viel mehr am Controller! Der Maindec verhält sich, soweit bisher getestet, wie er soll. In einem OS/8 ist der Zugriff (erstmal nur lesend) möglich, und ich kann von einem Tape booten.


Als bisherige Reparaturen/Justagen waren notwendig:

‍    - Karte M531 im TU56 an Position A5 hat ein defektes IC SN7404N

‍    - Karte M111 hat zwei defekte ICs 7400 (Controller 2)

‍    - Karte M302 in A14 falsch Justiert, Pin A14 F2 10µs, Pin A14 T2 10µs

‍    - Karte M302 in D16 falsch Justiert, Pin D16 T2 3 oder 6µs


Hier als PDF die Blätter, die mir geholfen haben:


Als nächstes kommen die Schreibetests.